Triumph der Taliban: „Nach Kabul kommt Rom“ (Teil1)

Von Uwe G. Kranz,

Author: Uwe G. Kranz

Erstveröffentlichung am 5. Oktober 2021 auf https://ansage.org

 

Vorwort

von CrisHam

Ich bin auf diesen bemerkenswerten Artikel kurz nach seiner Veröffentlichung im Oktober 2021 auf Ansage.org gestoßen. Er bietet eine faktenbasierte Analyse des Afghanistan-Krieges (2001–2021) und der Gründe für das Scheitern dieser fast eine Billion Dollar teuren Mission. Am Schluss des zweiten Teils wird der Kontext des Krieges beleuchtet. Dieser wird absolut korrekt als Teil der wiederauflebenden Rivalität zwischen dem liberal-demokratischen Westen und dem islamischen Orient identifiziert.

Während die westlichen Mainstream-Medien das Thema ignorieren oder gar explizit tabuisieren, ist es im politischen Bewusstsein von Islamisten tief verwurzelt. In Bewegungen wie der Muslimbruderschaft verbindet sich Sympathie für terroristische Gewalt mit einem nach außen friedlichem Auftreten, um eine radikale und expansionistische Ideologie in westlichen Ländern zu etablieren. 

Die Taliban, die im Mittelpunkt von Uwe G. Kranz’ zweiteiliger Dokumentation stehen, verkörpern ebenfalls diese zwei Seiten des Islamismus. Diese Islamisten führen nicht nur einen bewaffneten Kampf, sondern auch einen propagandistischen, ideologischen und organisatorischen Dschihad gegen alle reformorientierten Kräfte.

Der Abzug des amerikanischen Militärs aus Afghanistan und der Vormarsch der Taliban im August 2021 haben in der der westlichen Öffentlichkeit zwar einen emotionalen Schock ausgelöst, aber keine rationale Einsicht. Das gilt gleichermaßen für die Ursachen wie für die Konsequenzen. Der Zusammenbruch der ‚demokratischen‘ Regierung in Kabul war das Ende einer Inszenierung ohne zielführendes Konzept. Er war das Ergebnis einer tieferliegenden, historisch gewachsenen Krankheit. Diese bestand in der fortschreitenden Verselbstständigung des westlichen Sicherheitsapparates zu einem unkontrollierten, autokratischen Staat im Staate, welcher der Rechenschaft für seinen Effizienzmangel ausweicht.

1. Die Parallele: Einsichtsresistenz von Vietnam bis Kabul

Bereits 1965, mitten im Vietnamkrieg, belegte eine wissenschaftliche Studie der RAND Corporation klar, dass die meisten Vietcong-Rebellen keineswegs aus ideologischer Überzeugung kämpften. Sie wehrten sich gegen eine amerikanische ‚Befreiung‘, die sie als brutale fremde Eroberung erlebten. Die Strategie der Flächenbombardements, der Folter und des Einsatzes humanitätswidriger Kampfmittel wie Napalm trieb die Bevölkerung erst recht in die Arme der Aufständischen. Doch die politische und militärische Führung um Präsident Johnson und Verteidigungsminister McNamara zeigte sich einsichtsresistent: Der Bericht wurde unter höchste Geheimhaltung gestellt, der Krieg auf Kosten von Millionen Menschenleben ausgeweitet. Am Ende des über 20 Jahre verschleppten Krieges gab es zwei Sieger, den kommunistischen Gegner und auf westlicher Seite den Militärisch-Industriellen Komplex (MIC).

Doch aus dem Desaster in Vietnam wurden in späteren Kriegen keine Lehren gezogen. Dies belegt die hier vorgestellte zweiteilige Dokumentation des ehemaligen LKA-Präsidenten Uwe G. Kranz über den Afghanistan-Einsatz. Bereits ab 2006/2007 warnten Insider auf Fachkongressen vor der verfehlten Polizeiausbildung, der uferlosen Korruption und dem expandierenden Drogenhandel. Doch die politische Spitze und die Mainstream-Medien entschieden sich für das Schönfärben. Über zwei Jahrzehnte hinweg wurde der Öffentlichkeit das Bild einer funktionierenden Staatsbildung (Nation Building) vorgegaukelt, während hinter den Kulissen ein Milliarden-Budget im Sumpf einer Schein-Armee („Ghost Soldiers“) versickerte.

2. Die Entstehung des Staates im Staate

Wenn Macht der Kontrolle entzogen wird, wächst sie unweigerlich weiter. Nach den verheimlichten Erkenntnissen des RAND-Berichts errichtete die CIA in Vietnam 1967 das Phoenix-Programm, mit dem antihumanitäre Verhörmethoden und Folter systematisiert wurden. Als der öffentliche Druck stieg, wurden diese Praktiken keineswegs beendet, sondern lediglich geografisch verlagert: Über weltweite Geheimgefängnisse (Black Sites) bis hin zur späten Auslagerung von Folter an bezahlte lokale Milizen in Afghanistan wurden rechtsstaatliche Prinzipien gezielt umgangen.

Durch eigene, nicht deklarationspflichtige Schwarze Kassen, Drehtüreffekte zwischen Politik, Finanzwelt und Rüstungskonzernen sowie die exzessive Nutzung des Vorwands der „nationalen Sicherheit“ hat sich der Sicherheitsapparat weitgehend aus der demokratischen Einbettung gelöst. Diese Binnenstruktur erzeugt einen gefährlichen Auslesemechanismus:

An die Spitze steigen selten Persönlichkeiten auf, die eine freie Gesellschaft authentisch vertreten, sondern eher jene, die bereit sind, Lügen und Folter vor Parlamentsausschüssen zu verteidigen und Beweismittel verschwinden zu lassen.

Whistleblower wie Julian Assange, Chelsea Manning oder Edward Snowden, die die Bürger vor massiven Gefahren warnen wollten, wurden mittels anachronistischer Gesetze wie dem Espionage Act von 1917 wie Staatsfeinde behandelt. Dabei haben sie den führenden Vertretern des Apparats wertvolles Material für des Selbstreinigung geliefert.

In Afghanistan trafen die strukturellen Lebenslügen des entkoppelten Sicherheitsapparats schließlich auf die unerbittlichen Realitäten der asymmetrischen Kriegsführung.

  1. Ökonomische Autonomie des Gegners: Während westliche Geheimdienste und Militärs in Ineffizienz erstarrten, machten der gescheiterte Anti-Drogen-Kampf und der Anstieg des afghanischen Opium-Weltmarktanteils von 5 % auf bis zu 95 % die Taliban finanziell autark. Eine Guerilla, die Milliarden durch Drogen generiert und Rückzugsräume im Ausland besitzt, ist durch klassische Militärgewalt nicht zu besiegen.
  2. Der Kollaps der „Papier-Armee“: Eine Truppe, die auf Korruption aufgebaut ist, in der Offiziere Gehälter kassieren und Soldaten ohne Nachschub im Stich gelassen werden, besitzt kein soziales Fundament. Das Ergebnis war die kampflose Übergabe von über 400.000 Handfeuerwaffen, 63.000 Fahrzeugen und über 160 Luftfahrzeugen an die Taliban – ein beispielloser Transfer von High-Tech-Ausrüstung an eine radikale Guerilla.
  3. Der zivilisatorische Glaubwürdigkeitsverlust: Wer Rechtsstaatlichkeit und Freiheit im Inneren abbaut, kann sie im Äußeren nicht exportieren. Der Dschihadismus erhielt mit dem Fall von Kabul das fundamentale Fanal, dass Geduld und Asymmetrie selbst die technisch hochgerüstete Weltmacht zwingen können, das Feld zu räumen.

Fazit: Der Weg zurück zur demokratischen Kontrolle

Das Fiasko von Afghanistan war kein Unfall, sondern das zwangsläufige Produkt eines Sicherheitsapparats, der sich der parlamentarischen und gesellschaftlichen Rechenschaft entzogen hat. Wenn technologische Überlegenheit und Billionen-Budgets nicht mehr zur Sicherheit führen, sondern lediglich Konflikte verschleppen und Profitquellen sichern, wird der Sicherheitsapparat selbst zur existenziellen Gefahr für die Freiheit.

Die Rekonstruktion einer wehrhaften, aber friedensfähigen Rechtsstaatlichkeit erfordert daher zwei fundamentale Reformen:

  • Auslichtung von Notstands- und Sondergesetzen: Das Informationsrecht des Souveräns – des Bürgers – muss Vorrang vor der Verschleierung von Behördenversagen unter dem Vorwand der Geheimhaltung haben.
  • Durchbrechung der autokratischen Binnen-Selektion: Der Sicherheitsapparat muss durch echte zivile Kontrolle und transparente Beförderungssysteme gegen die kommerziellen Interessen am Krieg abgeschirmt werden.

Ohne diese systemische Selbstreinigung wird das Muster von Vietnam und Afghanistan unvermindert weitergehen – mit stetig steigenden Kosten für die Freiheit, die Demokratie und den Frieden in der Welt.

 

ARTIKEL: 

Triumph der Taliban - "Nach Kabul kommt Rom“ (Teil 1)

von Uwe G. Kranz

Zwei, drei Fotos stehen seit August für die „schmähliche Niederlage des Westens“ in Afghanistan: Es sind das Foto des Abhebens des militärischen Evakuierungshubschraubers vom Dach der US-Botschaft von Kabul (die Analogie zu Saigon 1975), die grünliche Nachtsicht-Aufnahme von Generalmajor Chris Donahue, Kommandeur der 82. Luftlandedivision der US-Armee, der als letzter US-Soldat Afghanistan in ein C-17-Frachtflugzeug der Air Force steigt, um das Land zu verlassen, und das Bild der Taliban-Einheit, die in voller US-Kampfmontur und -bewaffnung auf dem Flughafen von Kabul posiert. Es seien „ikonische“ Bilder, schrieb die Presse; Bilder, die das ausdrücken, was man sieht: unehrenhafter Rückzug, Versagen auf der ganzen Linie, Kontrollverlust und mehr oder weniger indirekte Häme.

Nur bedingt zu Recht beschreibt der Kriegsforscher Herfried Münkler diesen Abzug als historische Zäsur – denn diese Zäsur war kein einmaliges Ereignis, sondern hatte in der Historie schon einige grandiose Vorläufer:

Alexander der Große (334-331 v.C.), der recht schnell die klügste Lösung darin fand, die Tochter eines Warlords zu ehelichen, um zu einem friedlichen Ende des Terror- und Guerillakrieges zu kommen, dem er mit seinem mächtigen Heer nicht beizukommen wusste.

Die Briten (1832-1842 und 1878-1880), beide Male aus Angst vor russischer Gefährdung der indischen Kronkolonien, beide Male mit arroganter, fataler Unterschätzung des Freiheits- und Unabhängigkeitsdranges der stolzen, afghanischen Stämme und beide Male mit historischen, schmachvollen Niederlagen.

 

Historisches Versagen auf ganzer Linie

Die Russen (1979 -1989) mit dem Versuch, den iranischen Zündfunken einer Islamisierung der Region aufzuhalten, der teuer mit mindestens 15.000 Toten und geschätzten 85 Milliarden USD an Kriegskosten bezahlt wurde. Die Taliban gewann dennoch an Einfluss und Macht. 1989 wurde der Einsatz unrühmlich und sieglos beendet – auch damals mit einem ikonischen Bild, auf dem sich General Boris Gromow nach zehn Besatzungsjahren symbolträchtig, fast trotzig mit roten Blumen im Arm zu Fuß über eine Grenzbrücke nach Russland zurückzog. 1996 eroberten die Taliban Kabul, riefen einen Gottesstaat aus, führten die Scharia ein, gewährten islamistischen Terroristen der al-Qaida Unterschlupf und kooperierten gelegentlich mit ihnen.

Die Amerikaner und ihre NATO-Verbündeten (2001-2021), die nach dem Anschlag vom 11. September 2001 auf der Basis einer Resolution des UN-Sicherheitsrats vom 20. Dezember 2001 mit der ISAF-Mission (International Security Assistance Force) das Land besetzten – angeblich weil es Osama bin Laden und der Terrororganisation al-Qaida Unterschlupf gewähre, der von dort aus den weltweiten Dschihad steuere. Daraus wurde der längste Militäreinsatz der US-Geschichte, der rund 2.500 US-Soldaten das Leben kostete, mehr als 20.000 verletzte oder traumatisierte und mit fast 830 Milliarden US-Dollar zu Buche schlug. Afghanistan wurde so zum zweiten Vietnam der USA.

Billionen Dollar und Euro hatte man am Hindukusch versenkt, an dem auch Deutschlands Sicherheit verteidigt werde, wie im Mai 2007 der damalige Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) fälschlich behauptete. Man mag ihm zu Gute halten, dass er nicht wusste, dass die Taliban schon 2004 angeboten hatten, sich der übermächtigen US-Allianz auf ewig zu ergeben – die USA allerdings weder auf dieses Angebot eingegangen waren noch ihre Bündnispartner oder das eigene Volk informiert hatten, aus welchen Gründen auch immer, wie Afghanistans Ex-Präsident Hamid Karzai bereits 2007 monierte. Daher musste jetzt auch Deutschland „sein Vietnam“ erleben – als amerikanischer Vasall, mit 59 toten Bundeswehrsoldaten.

 

Fiktion der gut gerüsteten afghanischen Armee

ISAF, in der Spitzenzeit rund 130.000 Mann aus 50 Nationen stark, wurde beendet, ohne eine stabile, flächendeckende afghanische Regierung mit funktionierender Verwaltung, ohne eine resistente und schlagkräftige Armee (ANA), die schon zuvor viele zehntausende Opfer im Kampf gegen die Taliban ertragen musste, und ohne ausreichende und gefestigte Sicherheitskräfte (Justiz-, Polizei- und Ordnungsdienste) etabliert zu haben. Zu dieser ANA folgende Ergänzung: Bezeichnenderweise variierte die Bandbreite der Schätzungen von deren Stärke zwischen 85.000 bis 200.000 Soldaten; die von US-Präsident Joe Biden am 7. Juni 2021 in einer Pressekonferenz genannte Zahl von „nahezu 300.000“ angeblich voll ausgerüsteten afghanischen Soldaten war eine Fiktion.

2014 wurde ISAF nahtlos durch die NATO-Mission „Resolute Support“ (RS) ersetzt, welche mit nur noch 90.000 Mann die Ausbildung und Beratung afghanischer Sicherheitskräfte „entschlossen unterstützen“ sollte. Diese massive Truppenreduzierung war eigentlich schon der Vorbote des Rückzugs – denn schon in den Jahren bis 2014 waren die Truppen der Allianz von den Entsendestaaten um durchschnittlich rund 73 Prozent reduziert worden, jeweils im absolut falschen Moment, was natürlich zu einer weiteren Stärkung der Taliban führte.

Im Februar 2021 standen der NATO-Mission „RS“ schließlich nur noch 9.600 Mann zur Verfügung: Von Terrorbekämpfung, Verteidigung der Demokratie oder von „Nation Building“ war da schon lange keine Rede mehr, höchstens noch von „Army Building„. In den Verhandlungen in Paris und Doha zwischen dem US-amerikanischen Sondergesandten, Zalmay Khalilzad, und dem damaligen Leiter des politischen Büros der Taliban Mullah Abdul Ghani Baradar, in die weder die gewählte afghanische Regierung noch die NATO-Verbündeten der USA einbezogen waren, ging es dann auch eher um die Einigung auf kapitulationsähnliche Bedingungen, damals angeblich noch aus einer gewissen Position der Stärke heraus; Verhandlungen, die übrigens unter hoher Geheimhaltung von den USA mit Vertretern der Taliban, jener 1994 gegründeten deobandisch-islamistischen Terrorgruppe, geführt wurden – unter Ausschluss der afghanischen Regierung und mit nur partieller bzw. zeitlich erheblicher verzögerter Information der Bündnispartner. Keine gute Exit-Strategie.

 

„Unable to see progress!“

Dennoch: Die berechtigten Vorwürfe treffen seit Jahren auch die deutsche Regierung, die außen- und sicherheitspolitischen Luftschlössern nachjagte. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) wehrt sich zwar bis heute dagegen, eine grottenschlechte Lageanalyse betrieben und speziell für die Evakuierung deutscher Staatsangehörigen und deren „Ortskräften“ wertvolle Zeit verloren zu haben; in seinem Versuch, die eigene Haut zu retten, warf er dem Bundesnachrichtendienst sogar offen Versagen vor. Dennoch kann er nicht leugnen, dass schon seit April 2021 fertige Evakuierungspläne vorgelegen haben, die nur noch nicht umgesetzt wurden.

Überhaupt: Das Versagen der westlichen Staatengemeinschaften war ja nichts Neues, nichts Plötzliches. Beim Stöbern in meinen Archivunterlagen stieß ich auf meine PowerPoint-Präsentationen bei den Europäischen Polizeikongressen und anderen internationalen Expertengremien. Schon 2006 und 2007 analysierte ich – unter anderem in einem überfüllten Saal des Berliner Kongressgebäudes, der die Zuhörer kaum fassen konnte – kritisch und realistisch die deutschen Polizei- und Militärmissionen in der Welt; natürlich nicht gerade zur Freude der Anwesenden. Trotz der bereits damals fast 10 Milliarden Euro deutscher Entwicklungshilfe, die seit 2005 an die 25 undemokratischsten bzw. korruptesten Regierungschefs bzw. Regimes der Welt geflossen waren (eine Negativauslese der 199 Staaten der Erde), trotz all der Auslandsmissionen wurden schon damals keine wirklichen Fortschritte erzielt; weder durch die Europäische Union (z.B. EUPM, EUPT, EUBAM, EUPOL, EULEX), der OSCE oder der UN (z.B. UNMIK, UNOMIG, UNMIL, UNMIS, UNAMID). Tagespolitischer Aktionismus, nationale „Otto-Kataloge“, eitle oder gefallsüchtige Selbst-Beweihräucherung in Politik und Medien ersetzten schon damals internationales Denken in Systemen sowie analyse- und evidenzbasierte Gesamtstrategien.

Beispiele für Afghanistan gefällig? Die Hybris, im Zuge der deutschen EUPOL-Mission mit 160 Experten aus 21 Staaten in Afghanistan eine Afghanische Nationale Polizei (ANA) mit 70.000 Polizisten – darunter 1 Prozent Polizistinnen – geformt und schöne neue Polizeiausbildungsstätten gebaut zu haben, vernebelte die sicherheitspolitische Sicht auf die Realität, in der sich Eignung, Leistung und Befähigung der ANP auf recht niedrigem Niveau befanden und wenig Verantwortungsbewusstsein, viel Bestechlichkeit und hohe Desertionsbereitschaft vorherrschten. Das Kernproblem beschrieb die US-amerikanische Journalistin Sarah Chayes im April 2007, nach jahrelangem Aufenthalt in Afghanistan, treffend mit der Feststellung: „Korruption ist nicht das richtige Wort, um die Dimension dieses Phänomens in Afghanistan auch nur ausreichend zu beschreiben.“ Dennoch ließ sich gerade Deutschland – nach dem Motto „Unlimited Solidarity“ – sehenden Auges immer tiefer in die Verantwortung hineinziehen, so z.B. durch Einsätze von (Aufklärungs-)Tornados und Recce-Tornados zur Zielbestimmung seit 2007, oder durch den Einsatz der KSK als Quick Reaction Forces seit 2008.